Aphorismen

"Wir brauchen noch einen Stirmenfempel"
Martin Keller
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07.08.2001 Das Sommerloch


Das Sommerloch ist eine faszinierende Angelegenheit. Jedes Jahr ist es zu dieser Jahreszeit das Selbe: es passiert einfach nichts. Und selbst wenn etwas passieren sollte, wird dies dann auch noch behördlich untersagt, aber darauf gehe ich später noch einmal ein. Es erscheint geradezu verboten zu sein,im Sommer irgendetwas zu reißen. Nun gut, dieser Juli war tatsächlich nicht wirklich ein Monat der zum exzessiven Kreativsein animierte. Das lag an erster Stelle natürlich an der enormen Hitze. Wer da keinen Badesee zur Hand hatte war ohnehin dazu verdammt regungslos auf der Wohnzimmercouch zu verharren bis die gnadenlose Sonne hinter dem Horizont verschwand um der Gefahr eines akuten Kreislaufstillstandes vorzubeugen. Ich kann mich noch an Zeiten erinnern da haben wir bei solchen raren Gelegenheiten irgendwo Holz "organisiert" und die ganze Nacht bei einer Herrenhandtasche für 6-8 Personen am Lagerfeuer gesessen und davon geschwärmt was wir nach der Schule endlich alles machen können. Was soll ich sagen, ich glaube wir waren damals alle sehr naiv. Aber heute...
Dabei habe zumindest ich diesen Sommer eine ganze Menge erlebt, ich meine bevor es so heiß war. Und da ich nichts anderes zu berichten habe schreibe ich eben
darüber. Es fing damit an, dass sich eine Handvoll Handwerker sich dazu entschlossen haben mir die erste hälfte des Sommers mit lustigen Spontanaktionen zu versüßen. Ich erinnere mich noch gerne an die besänftigende Melodie der Schlagbohrmaschine um 8 Uhr morgens. Oder den Sandkasten welchen sie mir in meiner Küche angelegt haben. Bei dieser Sache bewiesen sie enorme Kunstfertigkeiten da sie dafür noch nicht einmal meine Wohnung betreten mussten. Sie haben den ganzen Sand einfach durch den Schornstein geschüttet. Leider ist dabei leider meine Therme ausgefallen. Kalt Duschen ist ein Riesen Spaß. Später haben sie sich dann aber doch noch dazu entschlossen mich in meiner Wohnung zu besuchen um einen formschönen Spalt in meine Küche zu Schlagen. Ein elektrisches Stemmeisen kann einen auch sehr erfreuen, wenn es zur richtigen Zeit angespielt wird. Leider hing ihnen dabei meine Therme im Weg. Habe ich schon erwähnt dass ich kalt Duschen liebe. Aber nach einigen Wochen waren sie abgezogen. Sie haben mir allerdings noch ein paar Geschenke gemacht. Ich bin mir zwar nicht vollends sicher was ich mit einem Drehstromanschluss in meinem Flur machen soll, aber es ist doch schließlich der Wille der zählt. Meine Therme hat nach diesen ganzen Arbeiten übrigens zwei komplette Wochen wieder funktioniert. Ergo: kalt Duschen ist immer wieder ein Erlebnis.
Ein weiteres Highlight dieses Sommers war das Austauschprogramm "Summer School" der TU-Darmstadt. Bei diesem war es einer kleinen Gruppe von ca. 38 hauptsächlich amerikanischen Studenten vergönnt ein paar Wochen lang in Darmstadt etwas über die deutsche Sprache aber vornehmlich über das deutsche Bier zu lernen. Bei diesem Austausch habe ich die Rolle eines "Tandempartners" übernommen. Zugegebenerweise habe ich mich nicht unbedingt sehr gut auf meine Aufgabe vorbereitet. Aber nach dem ersten Zusammentreffen der Kulturen war schnell klar mit welchen Hilfsmitteln wir unsere Differenzen minimieren konnten. Daraufhin haben wir in Frankfurt, Rüdesheim, Bingen, Koblenz, und natürlich auch in Darmstadt getestet ob das Vorurteil das Amerikaner nicht viel vertragen getestet. Das Ergebnis: es ist wie bei allen anderen Volksgruppen auch, es gibt solche und solche. Erstaunlich ist eigentlich nur das die Frauen keineswegs hinter ihren männlichen Kollegen zurückstehen und sich auch schon mal herzhaft den Kreppel weich hauen.
Einer dieser Amerikaner war sogar mal bei unseren Proben anwesend und ist somit auch gleich zum "Fan des Monats" befördert worden*.
Was allerdings diesen Sommer stattfinden sollte und dann doch wegen behördlicher Bedenken abgesagt wurde war das Kahunah Festival. Aufgrund unserer Bestürzung haben wir dem Veranstalter gleich mal den Monat August auf unserer Homepage gewidmet*.
Eigentlich war vorgesehen über 20 verschiedene Bands an zwei Tagen spielen zu lassen. Alles war schon geplant bis dann drei Tage bevor wir spielen sollten, wir fuhren gerade zu dritt (Christian, Tomas und ich) nach Münster zum Proben, Tomas´Handy klingelte. Wir hörten dann so Worte wie "Genehmigung entzogen", oder auch "Strafanzeige". Zu diesem Zeitpunkt ahnten weder Christian noch ich selbst dass es sich hierbei um die Absage des Festivals handelte. Der Veranstalter hatte nun allerdings schon Bier, Würste und einen riesigen Eimer mit Crêpe-Teig gekauft. Alle diese Dinge konnte er ja schlecht alleine konsumieren. Also lud er uns alle nach Bad Homburg zur Ersatzparty ein. Weil diese Party sehr lustig war und wir ohnehin die Idee des Festivals unterstützt sehen wollten haben wir zusammengelegt und "Kahunah" ganz unauffällig 100 DEM in die Hand gedrückt. Leider wohl etwas zu unauffällig da man im Gästebuch seiner Homepage nachlesen kann, dass er dem "anonymen" Spender dieser Summe dankt. Da wollten wir uns mal mit unserer Wohltätigkeit brüsten, und dann sowas. Eigentlich sind wir nämlich gar nicht wohltätig sondern wir müssen uns Freunde kaufen. Bleibt nur noch die Frage offen was das Sommerloch eigentlich ist. Nach reiflicher Überlegung kam ich zu dem Schluss, dass ich diese Frage auch nicht beantworten kann. Ich kann nur sagen wie es aussieht: es ist ungefähr einen knappen Meter breit und fünf Meter hoch und befand sich diesen Sommer in meiner Küche.
In diesem Sinne, ciao

Euer Sebastian

*Anm. der Redaktion: eine alte Rubrik auf einer vorherigen HP Version